Hufrehe, Cushing, EMS ? ... was jetzt ???

 
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Mein Pferd ist an Hufrehe erkrankt und wie kann ich ihm jetzt helfen ???
 
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Diagnostik des Equinen Metabolischen Syndromes (Gelesen: 6949 mal)
Pony
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22. Februar 2006 um 10:10
 
die Diagnostik des Equinen Metabolischen Syndromes 
sollte nach einer mindestens fünf-, besser zwölfstündigen Fastenperiode erfolgen.

Bestimmt werden:
Glukose, Triglyzeride, Fruktosamin, T3, T4, Cortisol, ACTH und Insulin.
Weiters werden ein sogenannter Glukosetoleranztest und bei Indikation ein TRH - Stimulationstest durchgeführt. 

Die Parameter Glukose, Triglyzeride, T3, T4 und Cortisol werden von den meisten Labors angeboten.
 
Hier wäre neben den richtig gewählten Blutröhrchen (Li - Heparin, Serum- und Natriumfluoridröhrchen) vor allem auf eine nicht allzu lange Transportzeit zu achten, da ansonsten Glukose abgebaut wird. 

Komplizierter ist die Bestimmung der Werte ACTH und Insulin. 
Beim Insulin genügt es laut Aussage unseres Labors, wenn das Serum (rotes Röhrchen) sofort abzentrifugiert wird und mit Kühlakkus gekühlt innerhalb weniger Stunden per Kurierdienst einlangt. 
Ist ein derart rasches Einlangen nicht gewährleistet, so muß das Insulin (abzentrifugiertes Serum) ebenso wie das thermolabile ACTH (abzentrifugiertes Plasma aus EDTA - Röhrchen) bei - 20°C tiefgefroren verschickt werden.
 

Dies ist in der Praxis kaum durchzuführen. 
Hier wäre eine Bestimmung somit nur sinnvoll, wenn das Labor ganz in der Nähe ist. 
Wir schlagen unseren Tierärzten daher drei Möglichkeiten vor: 

a) das Pferd zu einem kompletten Check an die Klinik zu überweisen, 

b) alternativ einen overnight Dexamethasonsuppressionstest zu machen, um wenigstens das ECS diagnostisch ausschließen zu können, 

c) in Einzelfällen, wenn die Besitzer ihre Pferde nicht an der Klinik vorstellen wollen und bei ansonsten eindeutigen klinischen und labordiagnostischen Befunden (junges Pferd, typische Fettverteilung und Übergewicht, Hufrehe, erhöhte Glukose-, Triglyzeridwerte, pathologischer Glukosetoleranztest, Cortisol im Normbereich) auf die Bestimmung von ACTH und Insulin zu verzichten und managementtechnisch von einem EMS auszugehen.

zu der Fastenzeit:

Die lange Fastenzeit wird einerseits international empfohlen, um Einflüsse des Futters auf den Kohlenhydrat- und damit indirekt den Insulinstoffwechsel auszuschließen und andererseits benötigt, um den oralen Glukosetoleranztest durchführen (Futter im Magen kann den Test beeinflussen) zu können. 
Die Interpretation der Werte ist von den Referenzwerten des Labors abhängig. 
Allgemein gilt: Glukose, Fruktosamin, Triglyzeride, Insulin sind zumeist erhöht, T3 und T4 sind zumeist erniedrigt (der TRH - Stimulationstest ist allerdings normal), Cortisol und ACTH liegen im Normbereich (im Unterschied zum ECS), der Glukosetoleranztest zeigt einen diabetogenen Typ (d.h. übermäßigen Anstieg und nur langsamen Abfall der Glukose im Blut) an. 
Individuelle Varianzen bestehen natürlich und müssen immer in Zusammenhang mit den klinischen Symptomen gebracht werden.

vielen Dank Frau Dr. S. W. aus Wien
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Pony
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Antwort #1 - 22. Februar 2006 um 10:13
 
Auf Wunsch nochmals zusammenfassend ein paar Worte zur Diagnostik:
 
1) Vorgeschichte 
- vorwiegend leichtfuttrige Rassen (Ponyrassen, Spanische Mustangs, Morgans, Araber, etc.) 
- Alter zwischen 6 und 20 Jahren 

2) Klinisches Erscheinungsbild 
- zumeist Übergewicht und/oder 
- Fettdepots an bestimmten Stellen: vor dem Euter bzw. im Schlauchbereich, um die Schweifwurzel, am Mähnenkamm, über den Augen 
- Anzeichen schleichender Rehe können vorhanden sein: abgeflachte Sohle, verbreiterte weiße Linie, Ringbildung 
- später klinisch manifeste Reheschübe 
- vermehrter Appetit 
- gelegentlich gesteigerter Durst und häufiges Harnlassen (Polydipsie, Polyurie) 
- Lethargie
 
3) Laborwerte:
sollten nach einer zwölfstündigen Fastenperiode erhoben werden.
 
(Normwerte sind z.T. laborabhängig, bitte dort erfragen. Die angegebenen Normwerte beruhen auf den mir zur Verfügung stehenden Befunden "meines" Labors. Achtung, beim Vergleich Einheiten beachten!). 

- Insulin (Norm = 70 - 140 pmol/l) ist erhöht:
kann bei MS über 300 pmol/l ansteigen 
(Normwerte beim "MedVet-Labor": 10-20mU/l)

- Glukose (Norm = 55 - 95 mg/dl) ist zumeist leicht erhöht:
liegt bei MS zumeist bei 110 - 140 mg/dl 
- Triglyzeride (Norm = unter 50 mg/dl) sind ebenfalls meist leicht erhöht:
steigen auf über 50 mg/dl. Bedenklich wird es etwa ab 200 mg/dl (Hyperlipidämie) 

- Cortisol (Norm = 3 - 6,7 µg/dl) und ACTH (Norm = 20 - 50 pg/ml) sollten normal sein, können jedoch bei schmerzbedingten Streßsituationen (akute Hufrehe!) leicht ansteigen und daher falsch positiv sein. 

- Dexamethasontest (Blutabnahme, 40 µg Dexamethason/kg Körpermasse intramuskulär, neuerliche Blutkontrollen nach 15 und 19 Stunden) dient dem Ausschluß des ECS: beim gesunden Pferd erfolgt Absinken des Cortisolwertes unter 1 µg/dl 

- Schilddrüsenwerte T 3 (Norm = 0.3 - 0.9 µg/l) und T 4 (Norm = 1.3 - 4.1 µg/dl) können fälschlicherweise zu niedrig sein ("euthyroid sick syndrome" ) , die Schilddrüse lässt sich jedoch mit einem TRH - Stimulationstest normal stimulieren. 

- intravenöser Glukosetoleranztest: 0,5 g Glukose/kg Körpermasse wird in 50%iger Lösung rasch intravenös infundiert und der Zuckerspiegel in kurzen Abständen kontrolliert. Beim gesunden Pferd erfolgt eíne Rückkehr in den Normbereich nach etwa ein bis zwei Stunden. Beim MS bleibt der Spiegel auch nach drei Stunden noch erhöht (Insulinresistenz) 

Eine Möglichkeit bereits im Frühstadium die Insulin-Resistenz des Pferdes festzustellen ist folgende Berechnung: 
G (Glukose in mg/dL) 
I (Insulin uIU/mL) 
ist dieser Wert dann kleiner als 4,5 deutet das auf IR hin. 


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Nicki
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Antwort #2 - 14. September 2006 um 22:44
 
wie "sofort" muss denn das Blut für den Insulintest nach der Entnahme abzentrifugiert werden?
Mein TA hat das Blut immer bei mir am Stall abgenommen und ist anschließend damit heimgefahren (er wohnt im selben Ort, aber ich denke, so 5 bis 10 Minuten werden schon vergangen sein).
Was passiert, wenn die Zeitspanne zu groß war, merkt das das Labor oder werden dann falsche (zu niedrige?)Werte ermittelt?
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Pony
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Antwort #3 - 15. September 2006 um 08:01
 
Hi
ich denke wenn er sofort in die Praxis fährt sollte das gehen....
am besten fragst du im Labor nach
lg
Petra

http://www.netdoktor.de/laborwerte/fakten/hormone/insulin.htm

die Halbwertzeit von Insulin beträgt nach obiger Quelle 4 Minuten
.

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Likorade
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Antwort #4 - 15. September 2006 um 08:34
 
Hi Nicki,

bei uns ist es eine ähnliche Distanz, da hat es bisher immer geklappt.

Gruß
Lisa
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EMS Chromtherapie Test Pferd-Borreliose-Hufrehetagebuch

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simba1604
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Antwort #5 - 15. September 2006 um 09:34
 
Hallo Nicki!

Wollte nur auch schnell bestätigen, daß es bei uns auch immer klappt mit dieser Zeitspanne (Meine TÄ wohnt im nächsten Ort und ist auch immer so ca. 10min unterwegs).

Sollte das ganze dann doch zu lange dauern, dann baut sich das Insulin ganz schnell im Blut ab und somit wären die Werte fälschlicher Weise zu niedrig.

Liebe Grüße

Claudia    Zwinkernd
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asci72
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Benjamin


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Antwort #6 - 15. September 2006 um 13:01
 

beträgt die Halbwertzeit von Insulin nicht 4 Minuten?

LG Anne
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simba1604
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Es werde Licht auf Erden.


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Antwort #7 - 15. September 2006 um 13:40
 
Hallo Anne!

Also auch hier gehen die Meinungen (wieder mal) auseinander.

Die kürzeste Halbwertzeit, die ich gefunden habe, ist mit 4min angegeben.
Habe aber auch im Pschyrembel eine HWZ von 30 min gefunden.

Siehe hier:
http://66.102.9.104/search?q=cache:z_IxBFGYX7cJ:www.pschyrembel.com/p/62_DEU_HTM...

Also, meine TÄ hat im Labor nachgefragt und die haben gesagt, daß bis zu einer halben Stunde kein Problem wäre.
Mir persönlich ist es aber auch lieber nach dem Motto: Je schneller, desto besser.

Aber ich glaube trotzdem, daß die gemessenen Werte von Angel stimmen. Sonst wäre ja im Winter der Wert nicht wieder so hoch gegangen. Und die Abnahme und die Fahrzeit war/ist ja immer gleich.

Liebe Grüße

Claudia    Zwinkernd
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Antwort #8 - 24. April 2009 um 07:57
 
Wesentlich sensitiver und aussagekräftiger ist der kombinierte Glukose Insulin Test (CGIT  = Combined Glucose-Insulin Test) Der große Vorteil ist die hohe Empfindlichkeit hinsichtlich der Insulinsensitivität. Der CGIT gibt also Aufschluss über die Funktionsfähigkeit des Insulinsystems. Eine Insulinresistenz ist nachweisbar auch wenn das Nüchterninsulin im Normbereich liegt, was bei vielen Pferden der Fall ist, die noch nicht so schwer erkrankt sind.

Bei diesem Test müssen die Pferde vor der Durchführung nicht hungern, dürfen aber in der Nacht vor dem Test kein Kraftfutter bekommen und sollen nicht auf die Wiede, können aber Heu fressen. Heu kann auch während des Tests weiter zur Verfügung gestellt werden.

Auch hier werden vor dem eigentlichen Test Ausgangswerte bestimmt, aber nur von Glukose, was das Verfahren wesentlich vereinfacht. Dann wird eine definierte Menge einer konzentrierten Glukoselösung infundiert und direkt anschließend intravenös Insulin verbareicht. Zur Beurteilung der Funktion des Insulinsystems wird über gut 2 Stunden der Verlauf des Blutzuckerspiegels verfolgt.

Ein kleines aber beherrschbares Risiko besteht bei besonders bei gesunden Pferden, bei den das Insulin gut wirkt, in einer Unterzuckerung nach der Insulinspritze. Bei den entsprechenden Symptomen (Schwitzen, Muskelzittern, deutliche Schwäche) kann man den Test abbrechen (die hohe Insulinsensitivität ist ja mit der Unterzuckerung bewiesen) und gibt den Pferden Glukose, womit das Problem sofort beseitigt ist.

Man geht davon aus dass eine Insulinresistenz dann vorliegt, wenn der Blutglukosespiegel 45 Minuten oder länger über dem Ausgangswert bleibt

Quelle
http://www.equivetinfo.de/html/metabolisches_syndrom.html
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