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Mein Pferd ist an Hufrehe erkrankt und wie kann ich ihm jetzt helfen ???
 
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Schmerzen beim Pferd erkennen (Gelesen: 5366 mal)
Pony
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Langelsheim, Niedersachsen, Germany
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02. November 2005 um 19:59
 
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Langelsheim, Niedersachsen, Germany
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Antwort #1 - 02. November 2005 um 19:59
 
Schmerzäusserungen beim Pferd

Während der Hund jault, die Katze schreit und der Mensch weint, leidet das Pferd meist stumm, obwohl sein Schmerzempfinden (vermutlich) genauso ausgeprägt ist wie das des Menschen und anderer Wirbeltiere. Doch was sind eigentlich Schmerzen und was bezwecken sie? Wie zeigt das Pferd Schmerz und wie kann man ihn lindern?

Dr. Birgit van Damsen

Der Schmerz ist eine durch mechanische, thermische, chemische oder elektrische Reize ausgelöste negative Empfindung. Eine ursächliche Schädigung des betroffenen Körpergewebes setzt Schmerzstoffe wie zum Beispiel Histamin, Bradykinin oder Prostaglandine frei, die Schmerzrezeptoren stimulieren und deren Impulse zum Zentralnervensystem geleitet werden. Diese Rezeptoren sind freie Nervenenden, die in Haut, Muskeln, Knochenhaut und allen inneren Organen zu finden sind.

Was ist ein Schmerzgedächtnis?
Prinzipiell unterscheidet man zwischen dem hellen Oberflächenschmerz, der von den oberen Hautschichten ausgeht und meist gut zu lokalisieren ist und dem dumpfen Tiefen- bzw. Eingeweideschmerz, der aus Muskeln, Skelett oder Organen herrührt und in vielen Fällen schwieriger aufzuspüren ist.
Von einem lokalisierten Schmerz spricht man, wenn der auslösende und empfundene Schmerzort identisch ist, zum Beispiel bei einer Hautwunde. Der projizierte Schmerz hingegen liegt vor, wenn beispielsweise erkrankte Organe an völlig anderen Körperstellen Schmerzen bereiten. Ferner wird zwischen dem akuten und dem chronischen Schmerz unterschieden. Der akute Schmerz ist nur kurzfristig vorhanden, während der chronische Schmerz über einen längeren Zeitraum, manchmal sogar Jahre andauert. Die empfundene Stärke des Schmerzes ist unter anderem von der Dichte der Schmerzrezeptoren an der betreffenden Körperregion abhängig. Jedoch spielt auch der Grad der Schädigung, Verletzung oder Erkrankung eine grosse Rolle beim Schmerzempfinden. Da Schmerzrezeptoren nicht anpassungsfähig sind, ist eine Schmerzgewöhnung nicht möglich. Doch kann das Schmerzgeschehen nach neuesten Erkenntnissen ein fatales Eigenleben entwickeln. Werden nämlich längerfristig ständig Schmerzen an das Gehirn gemeldet, kann sich das Nervensystem derart verändern, dass die Sensibilität für Schmerz ansteigt und schliesslich nicht mehr weggeht. Es entsteht ein so genanntes «Schmerzgedächtnis», das im Extremfall Schmerz meldet, der nicht mehr vorhanden ist beziehungsweise dessen Auslöser Jahre zurück liegen kann.

Schmerz als sinnvoller Schutzmechanismus
Biologisch gesehen ist Schmerz eine sinnvolle Schutzeinrichtung und dient dazu, die Ursachen, also eine Verletzung oder Erkrankung nicht zu verschlimmern, indem das Pferd ausweicht, abwehrt oder das schmerzende Körperteil schont. Der helle Oberflächenschmerz führt in der Regel unmittelbar zu einer Flucht- oder Abwehrreaktion, zum Beispiel wenn das Pferd von einem Artgenossen gebissen wird. Das Schonen zum Beispiel eines schmerzenden Beines fördert die Heilung.
Das Schmerzempfinden wird auch durch die Erwartungshaltung in einer bestimmten Situation beeinflusst. Hat das Pferd beispielsweise schlechte Erfahrung mit dem Hufschmied oder Tierarzt gemacht, so wird es sich bei seinem Erscheinen an den erlebten Schmerz erinnern, sich aus Furcht vor vermeintlich neuem Schmerz verspannen und unter Umständen schon bei der kleinsten Berührung mit Abwehr oder einem Fluchtversuch reagieren.
Angst, Stress und Panik in Verbindung mit Schmerzen können aber auch zur Mobilisierung körpereigener Hormone wie Kortisol, Adrenalin und ACTH (andrenocorticotrophes Hormon) führen, die quasi den Schmerz kurzfristig blockieren beziehungsweise so lange überlagern, bis das Pferd flüchten und sich in Sicherheit bringen kann.

Lautäusserungen und andere Schmerzzeichen
Eines aber können Pferde mit Sicherheit nicht: Schmerzen vortäuschen. Pferde können zwar mit Abwehr reagieren, wenn sie beispielsweise beim Reiten Schmerzen haben, sich beim Satteln wehren oder versuchen, den Reiter abzuwerfen. Jedoch sind sie kognitiv nicht in der Lage, zum Beispiel vorausschauend zu lahmen, um nicht geritten zu werden. Daraus folgt, dass Pferde tatsächlich Schmerzen verspüren, wenn sie Schmerzsymptome zeigen. Nur was sind die Schmerzindikatoren und wie kann man sie erkennen?
.

Kasten
Pferde schreien nur unter Qualen
Wie schon erwähnt sind Schmerzlaute beim Pferd äusserst selten. Unter starken Schmerzen leidende Pferde (Geburt, Kolik, Hufrehe) stöhnen und seufzen bestenfalls. Auch das Zähneknirschen kann Ausdruck erheblicher Schmerzen sein. Bei Fohlen hört man manchmal ein Quieken. Laute Schmerzschreie geben Pferde jedoch nur im Extremfall und bei äusserster Qual von sich.
Persönlich habe ich solch einen Schmerzschrei bislang nur ein einziges Mal gehört, und zwar während eines erschütternden Fernsehberichtes über Tiertransporte nach Italien. Nach einem langen qualvollen Transport endlich im Schlachthof angekommen, traf der Bolzenschuss ein panisch mit dem Kopf schlagendes Pferd nicht richtig, das daraufhin so laut und durchdringend schrie, dass ich es noch heute im Ohr habe. Nach für mich endlos vorkommenden Sekunden sackte dieses Pferd schliesslich zusammen und verstummte allmählich.

Alte Urinstinkte
Das meist lautlose Leiden des Pferdes gehört mit zur Überlebensstrategie des Fluchttieres Pferd. Denn hätte es in freier Wildbahn schon bei geringen oder mässigen Schmerzen verräterische Laute von sich gegeben, wäre es zur leichten Beute geworden, vor allem dann, wenn es in der Bewegung eingeschränkt, also bei Gefahr nicht oder nicht schnell genug weglaufen konnte. Obwohl dieses «Schutzschweigen» beim domestizierten Pferd nicht mehr nötig wäre, leiden auch unsere Hauspferde instinktiv weiterhin stumm.

Mehr oder weniger sichtbare Zeichen
Es gibt aber noch andere Merkmale, die auf Schmerzen beim Pferd hinweisen. Deutliche Kennzeichen sind Veränderungen in der Bewegungsaktivität und in den Bewegungsabläufen. Je nach Grad des Schmerzes und Art der Erkrankung oder Verletzung kann sich die Aktivität steigern oder reduzieren. So deutet plötzliche Ruhelosigkeit mit häufigem Niederlegen, Wälzen, Hin- und Hertreten, Scharren, Aufstampfen, Schweifschlagen, Umschauen oder Treten nach dem Bauch – wie es häufig bei einer Kolik zu sehen ist – genauso auf Schmerzen hin, wie steife, unkoordinierte Bewegungsabläufe, Lahmen oder häufiges Liegen.
Auch unnatürliche Körperhaltungen mit Muskelverspannungen bzw. -schlaffheit, Zuckungen, Krämpfe und Zittern oder ungewöhnliche Beinstellungen wie Vor- oder Zurückstellen sowie (wechselseitiges) Anheben der Beine gehören zu den Schmerzäusserungen des Pferdes. Ein weiteres Schmerzmerkmal ist die veränderte Mimik. Beim so genannten Schmerzgesicht fehlt das Ohrenspiel in der Regel ganz. Die Ohren stehen starr nach hinten oder hängen seitlich herab. Die Augen sind entweder weit geöffnet oder klein und eingefallen mit verzweifeltem oder abwesend glasigem Blick; die Nüstern sind schmal oder extrem gebläht. Die Gesichtsmuskeln sind meist deutlich angespannt mit verhärteter Lippenpartie und zum Teil aufgestütztem oder hängendem Kopf beziehungsweise Kopfschütteln.
Neben Gestik und Mimik können auch plötzliche Verhaltensänderungen auf Schmerzen hinweisen. Je nach Veranlagung, Art und Dauer der Schmerzen werden einige Pferde ungewöhnlich aggressiv, während andere sich eher zurückziehen und apathisch wirken. Auch kann sich die Rangordnung in der Gruppenhaltung ändern, weil rangniedere Tiere die «Schwäche» des Ranghöheren gnadenlos ausnutzen. Auf der anderen Seite kann man jedoch beobachten, dass sich befreundete Pferde (zum Beispiel Mutter-Tochter) nicht von der Seite weichen, wenn eines erkrankt oder verletzt ist.

Als Ungehorsam missgedeutet
Schliesslich können auch eine reduzierte Nahrungsaufnahme sowie verstärkte oder verminderte Ausscheidungen Schmerzen anzeigen ebenso wie stumpfes Fell und Abmagerung meist bei chronischen Schmerzen und Veränderungen der Vitalwerte wie erhöhte Atem- und Herzfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur.
Im Allgemeinen geht man davon aus, dass das Schmerzempfinden bei allen Pferden unabhängig von Alter, Rasse oder Geschlecht ähnlich ausgeprägt ist. Die These, dass hochblütige Pferde schmerzempfindlicher seien als «Robustpferde», ist nicht bewiesen. Jedoch gibt es sicherlich grosse individuelle Unterschiede im Schmerzverhalten, das nicht nur vom tatsächlichen Schmerz, sondern auch unter anderem von dem allgemeinen Zustand, dem Umgang, den Haltungsbedingungen und der Stellung im Herdenverband abhängt. Eindeutig sind die Schmerzhinweise eigentlich nur bei starken Schmerzen, während die Grenze zwischen Unbehagen und geringem Schmerz nicht selten fliessend und kaum eindeutig zu ziehen ist. In der Regel bedarf es des genauen Wissens des Pferdebesitzers über die spezifischen Reaktionen und Verhaltensweisen seines Pferdes, um zum Beispiel zwischen Stress und Schmerz unterscheiden zu können. Nicht selten werden Schmerzsymptome nicht als solche erkannt oder gar als Ungehorsam missgedeutet. So kann das «Festmachen» im Rücken oder Kopfschlagen beim Reiten zum Beispiel auf ein unentdecktes Zahnproblem hindeuten.

Keine Selbstmedikation
Neben der Ursache des Schmerzes wird jeder Tierarzt auch den Schmerz selbst behandeln und versuchen, ihn einzudämmen. Schmerzmittel sollten jedoch nur unter Anleitung beziehungsweise mit Rücksprache des Tierarztes eingesetzt werden. Eine eigenständige Anwendung kann nämlich die Diagnose der Schmerzursache erschweren, verschleiern oder sogar unmöglich machen. Auch können schmerzlindernde Medikamente den Heilungsprozess verzögern oder negativ beeinflussen, weil zum Beispiel ein Pferd mit einer Gliedmassenerkrankung weiterhin herumspringt. Anwendungsdauer und Dosierung sollten ebenfalls vom Tierarzt bestimmt werden. Doch sollte man ein Schmerzmittel möglichst nicht abrupt absetzen, sondern die Dosis je nach Befindlichkeit des Schmerzpatienten schrittweise herunterfahren und allmählich «ausschleichen» lassen.
Als Schmerzmittel, die zugleich Entzündungen bekämpfen, stehen entweder so genannte steroide Entzündungshemmer (Kortisone) zur Verfügung, die vor allem bei akuten Entzündungen und chronischen orthopädischen Problemen angewendet werden oder nicht-steroide Entzündungshemmer (zum Beispiel Phenylbutazon, Fluxinin-Meglumin, Vedaprofen, Meclofenaminsäure, Acetylsalizylsäure (ASS), Metamizol), die je nach Art der Erkrankung beziehungsweise Verletzung und Schmerzempfinden verabreicht werden. Mit Ausnahme von Acetylsalizylsäure (auch als Aspirin bekannt) sind alle Medikamente verschreibungspflichtig und dürfen nur von Tierärzten eingesetzt werden.
Alternative Methoden zur Schmerzlinderung sind beispielsweise homöopathische Mittel, Physiotherapie, Kältetherapie, Akupunktur und Akupressur, die besonders bei chronischen beziehungsweise unheilbaren Leiden oder auch bei einer Trächtigkeit zum Einsatz kommen können.
Eine zumindest vorübergehende Eindämmung beziehungsweise Ausschaltung des Schmerzes ist nur durch starke Schmerzmittel (Analgetika mit Opiaten oder Morphinen) oder durch Betäubungsmittel (Narkotika) zu Behandlungszwecken zu erreichen. Eine dauerhafte Schmerzfreiheit ermöglicht nur der Nervenschnitt (Neurektomie), der bei unheilbaren Krankheiten, zum Beispiel bei einer fortgeschrittenen Hufrollenentzündung, durchgeführt wird. Alle diese Methoden beheben allerdings nicht die Schmerzursache.


http://www.kavallo.ch/artikel.asp?artikelID=249
mit freundlicher Genehmigung
Birgit Herrmann
(Chefredaktorin Kavallo)

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